Regina
Müller-Huschke
Keramik


 

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PORZELLAN

- eine verglaste, weiße Ware mit durchscheinendem Scherben. Die Porzellanmasse ist der edelste und wertvollste Werkstoff in der Keramik. Es ist eine Mischung verschiedener Rohstoffe. In China, wo Porzellanerde praktisch als Naturprodukt vorkommt (Berg Kao-Ling), wurde Porzellan vermutlich ab dem 7.Jh. hergestellt. Seit Ende des 13. Jh. gelangten Einzelstücke von chinesischem Porzellan nach Europa. Versuche, das "weiße Gold“ nachzuahmen wurden bereits um 1500 in Venedig und in der zweiten Hälfte des 16. Jh. an italienischen Höfen ("Medici Porzellan") unternommen. 1693 machte Walter von Tschirnhaus in Dresden (unter August dem Starken) keramische Schmelzversuche mit großen Brennlinsen. Seinem Gehilfen, dem Alchemisten J.F. Boettger gelang schließlich 1708 die erste ernst zu nehmende Porzellanrezeptur. 1710 wurde die Meißener Porzellanmanufaktur gegründet.


RAKU

Japanischer Begriff, der frei interpretiert etwa soviel wie „Freude“ bedeutet. Ursprünglich eine auf einem Spiegel eingravierte Inschrift, die 1598 an Hideoshi Chojiro verliehen wurde. Ihm kommt die Ehre zu, der erste Töpfer gewesen zu sein, der ab 1580 niedrig gebrannte Keramiken angefertigt hat, die deutlich vom direkten Einsetzen und Ausnehmen (mit einer langen Zange) aus einem rotglühenden Ofen gekennzeichnet waren.
Heute bezeichnet man mit RAKU auch den Prozess des Brennens und die Art der Keramik selbst. In den 60ger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde die Brennmethode von amerikanischen und später auch europäischen Töpfern aufgegriffen und modifiziert.
Rakubrände werden häufig als Inbegriff für einen experimentellen Umgang mit Keramik gesehen. Somit stellt RAKU sowohl vom Material als auch von der technischen Bearbeitung einen krassen Gegensatz zum Porzellan her, das in Verarbeitung, den Glasuren und den Bränden akribisch exakt behandelt werden muss.

porzellan

Ich arbeite mit der berühmten Rohporzellanmasse aus LIMOGES, die sich durch ein besonderes Weiß, schöne Transparenz des gebrannten Scherbens, sowie absoluter Härte auszeichnet.
Die Gefäße sind frei auf der Töpferscheibe gedreht, komplexere Formen noch nass aus mehreren Einzelteilen zusammengedreht. Nach dem ersten Brand werden sie bei 1280 oxidierend gebrannt. Oft sind sie außen unglasiert, um die Schönheit des weißen Scherbens zu betonen.


raku.porzellan

Neben den Porzellan- und Raku-Unikaten gibt es Paare und Doppelgänger. Paare sind zusammengehörige Unikate. Die Partner sind verbunden durch Ähnlichkeit in Machart, Form oder Farbe oder sie bilden ein Paar, das von Machart - Material, Brennart, Oberfläche - nicht gegensätzlicher sein könnte, aber bestimmte Zusammengehörigkeit in der formalen Aussage zeigt.
Bei den Doppelgängern dagegen handelt es sich um formal identische Gefäße, die aber in scharfem Oberflächen- und Materialkontrast zueinander stehen: weiße, gegossene Porzellangefäße und ihre Mutterformen, die älteren dunklen Rakustücke.


porzellan.gießformen

Diese Gefäße aus Porzellan, Doppelgänger und Klone, sind Abformungen schon existierender Stücke. (siehe auch raku.porzellan). Eine Gruppe identisch scheinender Gießformen verschiebt den Gebrauchszweck eines einzelnen Gefäßes, eines "Klons", in eine kleine funktionsfreie Installation.

ton

Gefäße und Körper. Aus rotem oder schwarzem Ton gedreht, gebaut oder abgeformt. Große breitflächige, asymmetrische Behälter ohne erkennbaren Schwung. Lederhart wird die Wandung bearbeitet, geglättet, verformt und bietet nun eine (Ober-)Fläche für plastische oder eingeritzte Zeichen und Farbe.
„ Wandbemalung“ - venezianische Farben, altrosa, schmutzigweiß oder hellblau eingefärbte Sinterengoben, mit dicken Pinseln in mehreren Lagen aufgetragen, bei 1150° gebrannt.